Von Sasha Brandt und Archie Marks · 3. November 2025
Artikel erschienen auf gay45.eu, deutsche Übersetzung
Der seit Langem schwelende europäische Gender-Diskurs hat den Ärmelkanal überquert. Was in Großbritanniens Boulevardspalten und feministischen Salons begann, hat nun in Brüssel und Wien Wurzeln geschlagen – wiedergeboren als intellektueller Kreuzzug unter dem Banner der „geschlechtsbasierten Rechte“. Im Zentrum steht das neu gegründete Athena Forum – ein Wiener Thinktank, der von britischen Verbündeten wie Sex Matters und dem Lesbian Projectunterstützt wird und entschlossen ist, das, was er als „ideologische Vereinnahmung“ europäischer Institutionen durch die Gender-Identity-Politik bezeichnet, rückgängig zu machen.
Für die Unterstützerinnen ist dies ein Kampf um Klarheit und biologische Realität; für die Kritikerinnen ist es Großbritanniens Kulturkrieg im europäischen Gewand – verkleidet in die Sprache von Feminismus und Menschenrechten. Erst vor wenigen Wochen stellte Hadja Lahbib, EU-Kommissarin für Gleichstellung, die LGBTQ+ Equality Strategy 2026–2030 der Europäischen Kommission vor und bezeichnete die Europäische Union als „Leuchtturm der Hoffnung und Schutzpatronin“ für queere Menschen.
Athena Forum Wien
In Wien wurde ein österreichischer Thinktank still und leise gegründet, der sich an die Spitze dessen stellt, was Europas nächster Kulturkrieg werden könnte. Das Athena Forum bezeichnet sich selbst als Verfechter der „geschlechtsbasierten Rechte“ und als Gegengewicht zu dem, was Sex Matters die „ideologische Vereinnahmung der europäischen Institutionen durch Gender-Identity-Ideologie“ nennt.
Seine Gründerin und Direktorin, Faika El-Nagashi, ist eine ehemalige Abgeordnete der österreichischen Grünen mit jahrzehntelanger Erfahrung in der LGBTQ+-Advocacy. El-Nagashi war einst tief in jenen Strukturen verankert, die sie heute kritisiert – von den Vorstandsetagen von ILGA-Europe bis zu feministischen NGOs –, doch sie brach mit ihnen über die Frage, ob in der Politik das biologische Geschlecht oder die selbst definierte Identität vorrangig sei.
Im Oktober 2025 gründete sie das Athena Forum offiziell als parteiunabhängigen Thinktank, der „geschlechtsbasierte Rechte, demokratische Werte und politischen Mut“ in ganz Europa fördern will.
Von Beginn an formulierte das Athena Forum seine Mission in großen Worten. In seinem ersten Bericht Beneath the Surface: How Gender Identity is Reshaping Europe („Unter der Oberfläche: Wie Gender-Identität Europa verändert“) argumentieren El-Nagashi und Co-Autorin Anna Zobnina, dass das europäische Recht und die Governance eine „strukturelle Transformation“ durchlaufen, was das Verständnis von Geschlecht und Gender betrifft.
Sie behaupten, dass EU-Institutionen in den letzten Jahren von der Anerkennung des biologischen Geschlechts zur Förderung der selbst definierten Geschlechtsidentität übergegangen seien – und damit die „hart erkämpften geschlechtsbasierten Rechte“ von Frauen und gleichgeschlechtlich orientierten Menschen aushöhlten.
Der Bericht warnt, dass Begriffe wie „Gender Identity“ in EU-Gleichstellungsrichtlinien, Datenerhebungen und Förderprioritäten Einzug gehalten hätten – weitgehend „hinter verschlossenen Türen“, über Soft-Law-Instrumente und interne Schulungen statt über offene demokratische Debatten.
Als Ergebnis, so El-Nagashi, „erodieren Klarheit im Recht, die Bedeutung des Begriffs ‚Frau‘ und die Grundlage geschlechtsbasierter Rechte […] unter dem Gewicht ideologischer Vereinnahmung.“ Was andere als Inklusion begrüßen, bezeichnet das Athena Forum als institutionelle „Verwirrung“ – eine Verwischung der Grenzen zwischen männlich und weiblich, die, so ihre Argumentation, die Sicherheit von Frauen, das Wohl von Kindern, lesbische Identität und sogar die Meinungsfreiheit gefährde.
Die Entstehung des Athena Forum
Das Athena Forum entstand nicht im luftleeren Raum. El-Nagashis Abkehr von den etablierten LGBTQ-Kreisen hin zu einer „genderkritischen“ Bewegung spiegelt tiefere Erschütterungen innerhalb Europas progressiver Landschaft wider.
Ihr zufolge habe schon die bloße Aussage, dass „Männer und Frauen unterschiedliche Gruppen sind“, dazu geführt, dass sie von einigen Organisationen, die sie einst mit aufgebaut hatte, ausgeschlossen wurde. Nun, mit dem Athena Forum, arbeitet sie mit desillusionierten Feministinnen und ehemaligen Aktivist*innen der Schwulen- und Lesbenbewegung zusammen, die überzeugt sind, dass Europas Institutionen – von der Europäischen Kommission in Brüssel bis zum Europarat in Straßburg – den Bezug zur materiellen Realität verloren hätten.
Die Sprache der Gruppe ist unmissverständlich kämpferisch: Sie beschreiben sich als eine Gruppe von Aktivist*innen, die einem „institutionellen Konsens“ trotzen, der „geschlechtsbasierte Frauenrechte und gleichgeschlechtliche Orientierung als rechtlich eigenständige, auf biologischem Geschlecht beruhende Kategorien“ vernachlässige.
Stattdessen fordern sie eine Rückkehr zu „Klarheit, Evidenz und Mut“ sowie mehr Rechenschaftspflicht in der europäischen Politik. Ihre Botschaft ist darauf abgestimmt, öffentliche Unruhe über rasche Veränderungen der Geschlechternormen aufzugreifen – und sie wird mit dem Eifer von Menschen verkündet, die überzeugt sind, die Realität selbst zurückzuerobern.
Reaktionen aus der Community
In einer Erklärung für das Magazin GAY45 sagte Julian Wiehl, Chefredakteur des Vangardist Magazine und Mitbegründer von Queer Media Literacy in Wien:
„Transrechte sind nur das Versuchsfeld für den Abbau hart erkämpfter Rechte von LGB-Personen und Frauen. Es ist alarmierend, dass einige der lautesten Stimmen, die sich jetzt mit Europas Rechten verbünden, einst aus feministischen und queeren Bewegungen kamen.
Aus ihren eigenen Communities wegen ihres Radikalismus ausgeschlossen, haben sie sich zu einem Bündnis der Ignoranten und Verbitterten zusammengeschlossen und verpacken überholte Ideologien als ‚Meinungsfreiheit‘.
Was sie übersehen, ist, dass Feminismus sich weiterentwickelt hat – heutige intersektionale und queere Feminismen sind von Natur aus trans-inklusiv und lehnen die TERF-Dogmen der 1970er Jahre ab.“
Die britischen Wurzeln des Backlash
Was in Großbritannien begann, hat nun seinen Weg auf den Kontinent gefunden.
Das Netzwerk, das das Athena Forum inspiriert und unterstützt, besteht aus britischen Organisationen wie Sex Matters(gegründet 2021 von Maya Forstater) und The Lesbian Project (gegründet von Kathleen Stock und Julie Bindel).
Beide Gruppen vertreten die Auffassung, dass der Begriff „Gender Identity“ die Rechte und die Sichtbarkeit von Frauen und Lesben unterminiert. Sie argumentieren, dass politische Maßnahmen und Gesetze auf dem biologischen Geschlecht beruhen sollten, nicht auf der subjektiven Identität.
Sex Matters ist insbesondere bekannt für seine erfolgreiche rechtliche Auseinandersetzung, in der ein britisches Gericht entschied, dass „genderkritische Überzeugungen“ als „philosophische Weltanschauung“ im Rahmen des britischen Gleichstellungsgesetzes geschützt sind.
Diese Entscheidung von 2021 war der Wendepunkt, der den Kulturkampf um Geschlecht in Großbritannien auf eine neue Ebene hob – weg von Online-Debatten, hin zu Politik, Recht und Verwaltung.
Seitdem haben Sex Matters und The Lesbian Project versucht, ähnliche Diskussionen in Europa anzustoßen.
Sie veranstalten Konferenzen, veröffentlichen Berichte und positionieren sich als „Stimme der Vernunft“ gegenüber dem, was sie als „transaktivistische Ideologie“ bezeichnen.
Ihre Sprache ist dabei stets moderat und akademisch, aber ihre Wirkung politisch sprengstoffartig.
In Großbritannien hat ihre Rhetorik den Diskurs über Transrechte verschoben:
- öffentliche Unterstützung für Selbstidentifikation beim Geschlecht ist gesunken,
- die Regierung hat Reformen zur Anerkennung des Geschlechts gestoppt,
- und transfeindliche Inhalte haben in Medien und Politik massiv zugenommen.
Nun exportieren dieselben Akteurinnen und Akteure diese Denkweise nach Europa – über Konferenzen, Netzwerke und persönliche Verbindungen.
Die neue Front in Brüssel
Im September 2025 veranstaltete das Athena Forum in Brüssel seine erste große Konferenz: „Sex-Based Rights in European Law and Policy“.
Zu den Teilnehmerinnen gehörten neben El-Nagashi auch Vertreterinnen von Sex Matters, The Lesbian Project, konservativen Thinktanks und mehreren Mitgliedern des Europäischen Parlaments, vor allem aus der EVP-Fraktion.
Offiziell ging es um „Rechtsklarheit und demokratische Kontrolle“.
Inoffiziell war es die Geburtsstunde eines organisierten, europaweiten Zusammenschlusses jener, die die Gender-Identity-Politik zurückdrängen wollen.
Ein Mitglied der Kommission, das anonym bleiben wollte, sagte:
„Man versucht hier, die Sprache der Menschenrechte und Gleichstellung zu kapern, um den Fortschritt zurückzudrehen.
Das Muster ist identisch mit dem, was wir aus Großbritannien kennen – nur mit europäischem Anstrich.“
Das Athena Forum ist jedoch vorsichtiger als seine britischen Pendants.
El-Nagashi und ihre Mitstreiterinnen betonen, sie seien „weder transfeindlich noch rechtskonservativ“.
Sie nennen sich „Feministinnen, die an den Schutz von Frauen glauben“.
Tatsächlich bemüht sich das Forum, Distanz zu rechtsextremen Gruppen zu halten.
Aber Kritikerinnen warnen, dass der Effekt derselbe sei:
eine Wiederbelebung jener Argumente, die längst von rechten Akteurinnen aufgegriffen werden, um trans Menschen, Gender Studies und Gleichstellungsprogramme anzugreifen.
Sprachkrieg und Semantik
Im Zentrum des Konflikts steht die Bedeutung von Wörtern.
Begriffe wie Sex, Gender und Gender Identity sind nicht nur akademische Kategorien – sie entscheiden über Zugänge zu Schutzräumen, Fördergeldern, Gesundheitsleistungen und rechtlicher Anerkennung.
Das Athena Forum besteht darauf, dass „Sex“ – also biologisches Geschlecht – der entscheidende rechtliche Parameter bleiben müsse.
Der Begriff „Gender“, so heißt es im Bericht, sei „unscharf, ideologisch aufgeladen und juristisch unbrauchbar“.
Die EU-Strategien hingegen verwenden „Gender“ und „Gender Identity“ zunehmend synonym, um Diskriminierung aufgrund von Geschlechtsidentität, Ausdruck oder Transition einzuschließen.
Für trans und nichtbinäre Menschen ist das ein notwendiger Fortschritt.
Für das Athena Forum und seine Verbündeten jedoch bedeutet es „die Auflösung der Rechtsklarheit“ und den Verlust „geschlechtsbasierter Sicherheit“.
Europas feministische Spaltung
Der Konflikt, den das Athena Forum in die EU trägt, ist kein rein britisches oder transatlantisches Phänomen.
Er spiegelt eine wachsende Spaltung innerhalb des europäischen Feminismus wider:
zwischen jenen, die den Kampf für Frauenrechte eng an biologische Kategorien binden,
und jenen, die Geschlecht als gesellschaftliches Konstrukt verstehen, das Vielfalt und Selbstbestimmung einschließt.
In vielen Ländern – von Spanien bis Polen – verläuft die Debatte inzwischen entlang dieser Linie.
In Spanien war das „Ley Trans“ (2023) ein Meilenstein: Es erlaubte Erwachsenen die Selbstbestimmung über ihren Geschlechtseintrag, ohne medizinische Gutachten.
Doch die Reaktionen darauf zeigten die Tiefe des Konflikts: Teile der feministischen Bewegung lehnten das Gesetz ab, mit dem Argument, es gefährde den Schutz von Frauen.
Das Athena Forum knüpft genau an diesen Diskurs an.
In seinem Positionspapier heißt es:
„Das Selbstbestimmungsprinzip mag gut gemeint sein, führt aber zu rechtlicher Unsicherheit und zu Konflikten zwischen Gruppen, deren Interessen gleichermaßen schützenswert sind.“
Kritiker*innen sehen darin jedoch eine scheinbar liberale Verpackung für transfeindliche Politik.
Indem das Forum behauptet, „alle Perspektiven“ zu berücksichtigen, normalisiere es Positionen, die trans Menschen delegitimieren.
Politische Allianzen und Interessen
Während das Athena Forum sich selbst als unabhängig und überparteilich darstellt, sind seine Netzwerke weitreichend.
Zu den Unterstützerinnen gehören Mitglieder der Europäischen Volkspartei (EVP), **konservative Juristinnenverbände** und Thinktanks mit Sitz in Brüssel, Wien und Prag.
Ein interner Bericht des Europäischen Parlaments, der The TransAdvocate zugespielt wurde, beschreibt das Forum als „einen Knotenpunkt zwischen moderatem Konservatismus und kulturpolitischem Aktivismus“.
Die Strategie sei, nicht offen gegen trans Rechte zu argumentieren, sondern den Diskurs auf Begriffe wie „Rechtsklarheit“, „Demokratie“ oder „Wissenschaftlichkeit“ zu verschieben.
So könne man Reformen blockieren, ohne sich offen als Gegner von Minderheitenrechten zu positionieren.
Eine EU-Beamtin formuliert es so:
„Es ist dieselbe Methode, die auch die britischen Gruppen anwenden: ein wissenschaftlicher Anstrich, höfliche Sprache – und darunter dieselbe alte Botschaft: dass trans Menschen ein Problem für Frauen seien.“
El-Nagashi weist solche Vorwürfe zurück.
In einem Interview erklärte sie:
„Wir wollen keine Rechte einschränken, sondern dafür sorgen, dass die Gleichstellungspolitik wieder auf einer realistischen Basis steht.
Das bedeutet, die biologischen Unterschiede zu berücksichtigen und gleichzeitig Diskriminierung zu bekämpfen.“
Trans-Aktivismus unter Druck
Während die Initiatorinnen des Athena Forums ihre Position als „vernünftige Mitte“ darstellen, berichten trans Organisationen von zunehmenden Spannungen in europäischen Gremien.
Besonders betroffen sind EU-finanzierte Programme zur Förderung von Gleichstellung und Diversität.
Mehrere Projekte berichten, dass ihre Anträge oder Texte plötzlich hinterfragt oder verzögert werden – oft mit Verweis auf „juristische Präzisierung des Geschlechtsbegriffs“.
Eine Aktivistin aus Belgien sagt:
„Es ist ein Déjà-vu aus Großbritannien. Erst kommt das Gerede über ‚Klärung‘, dann die Kürzung der Mittel, dann die Ausgrenzung. Nur höflicher verpackt.“
Der britische Einfluss in EU-Institutionen
Obwohl das Vereinigte Königreich seit dem Brexit nicht mehr Teil der Europäischen Union ist,
bleibt sein Einfluss auf den europäischen Kulturkampf über Netzwerke, Thinktanks und Medienakteure deutlich spürbar.
Ein Beispiel dafür ist der Thinktank Policy Exchange, einer der ideologischen Motoren hinter der britischen „Gender Critical“-Bewegung.
Ehemalige Mitarbeiterinnen von Policy Exchange sind heute als Beraterinnen in Brüssel aktiv – teils in Abgeordnetenbüros, teils in NGOs, die mit dem Athena Forum kooperieren.
Diese transnationalen Netzwerke sorgen dafür, dass dieselben Narrative – über „Gefahren der Selbstidentifikation“, „Schutz von Kindern“ oder „Verlust wissenschaftlicher Objektivität“ –
in verschiedenen europäischen Ländern auftauchen, fast wortgleich.
Ein internes Memo eines EU-Direktorats beschreibt dies als „Copy-Paste-Strategie britischer Diskurse“, die gezielt über Übersetzungen, Medienkontakte und Seminare verbreitet wird.
Ein EU-Beamter sagte:
„Die Rhetorik wandert. Sie wird angepasst, aber das Muster bleibt: erst ‚biologische Realität‘, dann ‚Rechtsklarheit‘, dann ‚Schutz der Frauen‘.
Und am Ende stehen trans Menschen als Gefahr da, obwohl es nie so ausgesprochen wird.“
Die Rolle der Medien
Wie in Großbritannien spielt auch in Europa die Medienlandschaft eine zentrale Rolle bei der Verbreitung dieser Narrative.
Im Vereinigten Königreich führten journalistische Kampagnen gegen Gender-Kliniken und trans Jugendliche zu einem massiven Anstieg transfeindlicher Rhetorik.
In Brüssel und Wien greifen nun einzelne Medien – insbesondere englischsprachige Plattformen mit EU-Fokus – diese Themen auf.
Artikel über „Genderideologie“, „biologischen Realismus“ oder „die Grenzen von Identitätspolitik“ erscheinen zunehmend in großen Publikationen, oft mit Zitaten aus Athena-Forum-nahen Kreisen.
Diese Berichterstattung folgt einem Muster:
- Transrechte werden als Debatte dargestellt,
- trans Aktivismus als Ideologie,
- und feministische Exklusion als Schutzmaßnahme.
Eine Sprecherin des europäischen LGBTQIA-Netzwerks ILGA-Europe sagte:
„Es ist die alte Methode: Du sagst, du willst nur diskutieren – und schaffst damit eine Bühne, auf der unsere Existenz verhandelbar wird.“
Ein orchestrierter Diskurs
Was das Athena Forum so wirkungsvoll macht, ist sein strategischer Ansatz:
Es vermeidet offene Konfrontation und arbeitet stattdessen über Sprache, Netzwerke und institutionelle Mechanismen.
Die Organisation versucht, den Diskurs so zu verschieben, dass Forderungen nach trans Inklusion als radikal erscheinen – und Forderungen nach biologischer Fixierung als vernünftig.
Laut Recherchen von The TransAdvocate wurden in den vergangenen 12 Monaten über 30 Veranstaltungen in Brüssel, Wien, Berlin und Den Haag organisiert,
bei denen Vertreter*innen von Sex Matters, The Lesbian Project und dem Athena Forum gemeinsam auftraten.
Offiziell ging es um „wissenschaftliche Perspektiven auf Geschlecht“.
Inoffiziell wurde dort die politische Strategie abgestimmt, um Einfluss auf EU-Initiativen im Bereich Gleichstellung, Bildung und Gesundheit zu nehmen.
Ein Teilnehmer fasst es so zusammen:
„Es geht nicht darum, laut zu sein. Es geht darum, leise zu verschieben, was als normal gilt.“
Was auf dem Spiel steht
Für viele Aktivist*innen geht es bei dieser Auseinandersetzung nicht nur um Sprache,
sondern um den Kern europäischer Werte: Menschenwürde, Selbstbestimmung und Gleichheit.
Die trans Community warnt, dass das Athena Forum und ähnliche Netzwerke die mühsam errungenen Fortschritte der letzten Jahre gefährden.
Rechtliche Anerkennung, medizinische Versorgung und gesellschaftliche Sichtbarkeit stehen zunehmend unter Druck – nicht durch offene Angriffe, sondern durch eine Politik der „Neutralität“,
die in Wahrheit Ausschluss normalisiert.
Eine Sprecherin von Transgender Europe (TGEU) erklärt:
„Wir erleben eine Neuauflage der alten Strategie:
Zuerst wird behauptet, man wolle nur ‚diskutieren‘, dann wird die Existenz trans Menschen als Meinungsfrage behandelt –
und am Ende werden unsere Rechte relativiert.
Das ist keine Debatte. Das ist Erosion.“
Gegenbewegung und Solidarität
Gleichzeitig wächst aber auch der Widerstand.
Trans und queere Organisationen in mehreren EU-Staaten arbeiten enger zusammen,
um Desinformation, juristische Rückschritte und politischen Druck zu dokumentieren und sichtbar zu machen.
In Brüssel bildete sich 2025 das Netzwerk „Alliance for Gender Diversity in Europe“,
das gezielt an Abgeordnete herantritt, wissenschaftliche Fakten zugänglich macht und Trainings für EU-Beamt*innen anbietet.
Eine Aktivistin beschreibt die Stimmung so:
„Wir haben verstanden, dass wir nicht nur reagieren dürfen.
Wir müssen selbst Diskursarbeit leisten – klug, faktisch und solidarisch.“
Auch feministische Gruppen, die ursprünglich Distanz zu trans Themen hielten, beginnen sich zu positionieren.
Mehrere Organisationen aus Frankreich, Schweden und den Niederlanden haben öffentlich erklärt,
dass Feminismus ohne trans Inklusion kein Feminismus sei.
Die transnationale Dimension
Die Auseinandersetzung um das Athena Forum zeigt,
dass Europas nächster Kulturkampf längst nicht mehr zwischen Ländern,
sondern innerhalb von Werten verläuft – zwischen Inklusion und Ausschluss, zwischen Selbstbestimmung und Kontrolle.
Ob die EU ihren Gleichstellungskurs beibehält oder kippt,
wird davon abhängen, ob es gelingt, diese Begriffe zu verteidigen – in Verwaltungen, Medien, Universitäten und im öffentlichen Bewusstsein.
Oder, wie es eine belgische Aktivistin in dem Artikel formuliert:
„Transfeindlichkeit trägt heute Blazer und spricht von Demokratie.
Wir müssen lernen, sie in dieser Form zu erkennen.“
Fazit
Das Athena Forum präsentiert sich als sachliche, akademische Plattform,
nutzt aber die gleiche Rhetorik und Strategien wie britische „Gender Critical“-Gruppen,
um den politischen Boden für transfeindliche Positionen in Europa zu bereiten.
Die Gefahr liegt nicht im offenen Angriff, sondern in der schleichenden Normalisierung –
und in der Bereitschaft mancher Institutionen, Diskriminierung als legitime Meinung zu behandeln.
Während der Kampf um Begriffe wie Gender, Sex und Identität weitergeht,
entscheidet sich in Brüssel, ob Europa auf die Seite der Vielfalt oder der Angst fällt.
KI-unterstützte Übersetzung von Valerie Lenk


